Im Land der Thermoskannen – eine Rundreise durch Paraguay

Wenn man die Menschen fragt, was sie am ehesten mit Paraguay verbinden oder welches die Hauptstadt von Paraguay ist, bekommt man häufig keine Antwort.
Die Hauptstadt ist übrigens Asuncion, diese Frage ist relativ leicht zu beantworten.

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Letztens wurde ich gefragt woher ich gerade komme und ich antworte „Paraguay“, kam nur ein „PARAGUAY???“ zurück.
Ein Land ohne Küste, Strand, Meer, Berge.
Die meisten Touristen machen einen großen Bogen um das Land oder nutzen es nur zur Durchreise. Alles ist irgendwie kleiner und unspektakulärer in Paraguay.
Die höchste Erhebung, der Cerro Tres Kandú, ist gerade mal 842 Meter hoch, auf den man von einer umgebenen Meereshöhe von 200 Metern aufsteigt. Also nicht gerade eine Herausforderung.
Es gibt auch Wasserfälle, aber sie sind halt nicht so spektakulär wie die Iguazu Wasserfälle.
Wenn man wandern möchte, Berge sucht, fährt man nach Peru, Bolivien oder Patagonien, wenn man Strand sucht, fährt man nach Brasilien.
Irgendwie erinnerte mich Paraguay an El Salvador. In El Salvador gibt es einen Werbe Hashtag, #dontskipelsalvador. Das gleiche könnte man wohl auch für Paraguay einrichten.
Bei einem Index für Reisen, in dem 134 Länder aufgelistet sind, steht das Land auf Platz 110.
Ich persönlich verbinde mit Paraguay auf jeden Fall eine Sache, Thermoskannen.

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Gefühlt läuft jeder zweite damit herum um daraus das Nationalgetränk zu trinken, Tereré.
Bei der Arbeit, im Park, die Thermoskanne ist stets präsent und es gibt sie in jeder Größe, Farbe, Form. Ich fand das ganze etwas unhandlich. In einer Hand die zwei Liter Thermoskanne, in der anderen Hand das Handy.
Ich wollte also einen etwas näheren Blick auf Paraguay werfen und mir ein eigenes Urteil bilden.
So fuhr ich erst einmal nach Santa Cruz.

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Santa Cruz ist die größte Stadt Boliviens und ein guter Ausgangspunkt um nach Paraguay zu kommen.

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Natürlich nur dann, wenn auch Busse fahren.
Leider hatte ich einen Tag erwischt, an dem die ganze Stadt streikte, die GANZE Stadt.
Es fuhr gar nix, kein Auto, kein Bus. Geschäfte waren geschlossen. Straßenkreuzungen wurden von den Streikenden gesperrt.

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Ein richtiger Generalstreik. So konnte man auf der Hauptstraße marschieren ohne das einem ein Auto entgegen kam.

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Viele Fahrradfahrer nutzen ihre Chance und radelten munter drauf los.
Erinnerte mich irgendwie an den Auto freien Sonntag in den 70er Jahren.
Eigentlich sollten die Busse abends wieder fahren, der Streik sollte um 18.00 Uhr zu Ende sein. Aber das war ein Trugschluss.
Also nächster Versuch am nächsten Tag, der dann auch erfolgreich sein sollte.

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Mit dem Nachtbus ging es Richtung Asuncion.
Die Grenze zu Paraguay erreichten wir um 5 Uhr morgens, wo noch kein Grenzer wach war.

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Also mussten wir ein wenig warten bis diese ausgeschlafen und sich den Schlaf aus den Augen gerieben hatten.

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Nachdem dann der Grenzposten geöffnet hatte konnte es weitergehen.
So viel weiter ging es aber leider nicht. Denn die Straße, die wir benutzen gilt als eine der am wenigstens befahrensten Straßen Südamerika, dazu noch unbefestigt.

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Nach dem vielen Regen der letzten Tage war diese doch schon sehr schlammig und so kam es wie es kommen musste, der Bus stecke irgendwann fest.

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So also heißt Paraguay seine Besucher willkommen.
Nach gut einer Stunde kam dann endlich ein anderer Bus vorbei und zog uns sprichwörtlich aus dem Dreck und wir konnten unsere Fahrt fortsetzen.
Diese wurde noch einmal unterbrochen durch eine Polizeikontrolle, die nach Drogen suchten.
Paraguay ist nämlich die Nummer eins in Südamerika bei der Herstellung von Marihuana. In irgendwas muss ja auch Paraguay Spitze sein.
Anhalten, Backpack raus aus dem Bus, für den Grenzer das Backpack öffnen und er wirft einen Blick rein und fragt Marihuana.
Richtig gründlich durchsuchte er das Backpack aber nun auch nicht oder er hatte Respekt vor meiner Dreckwäsche. So kamen wir doch verspätet in Asuncion an.

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Asuncion ist, was die Sehenswürdigkeiten angeht eine sehr übersichtliche Stadt.
Ein paar Museen, den Regierungspalast usw., kein zweites Rio de Janeiro oder Buenos Aires.

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Von Asuncion ging es dann weiter zu einer Mennoniten Kolonie, Fernheim.
Deutsch stämmige Einwanderer gründeten diese Kolonie um 1930 und trotzten dem unwirklichen Land damals viel ab.
Heute ist es das Zentrum für Milchproduktion. Mehr als die Hälfte aller Milcherzeugnisse Paraguays kommen aus der Kolonie.
Und es wird Deutsch gesprochen, es gibt deutsche Straßenschilder.

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Natürlich darf der grüne Pfeil nicht fehlen.

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Im Supermarkt gibt es jede Menge deutsche Produkte.

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Viele Dörfer in der Umgebung tragen deutsche Namen.

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Bei einem kleinen Stadtbummel lässt sich das eine oder andere entdecken.

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Es gibt noch ein paar kleinere Museen, die man besuchen kann.

 

Das war es dann aber auch schon, in Fernheim gibt es nicht wirklich viel zu sehen oder zu tun.
Aber es ist witzig in der Einöde von Paraguay auf ein deutsches Dorf zu treffen, wo man mit Guten Morgen im Supermarkt begrüßt wird.
Und wie steht es im Lonely Planet, es wirkt wie ein Vorort von München.
Ja, manchmal wirkt es wirklich so. Ein Stück Deutschland in der Chaco von Paraguay.

 

Von Fernheim aus ging es dann nach Concepción, der Perle des Nordens.

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Die Stadt mit seinen gut 76000 Einwohner liegt am Rio Paragua

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Ein sehr beliebter Treffpunkt ist der alte Hafen, wo sich Besucher und Einheimische treffen und den Sonnenuntergang zu beobachten.

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Tagsüber ist nicht ganz so viel los am Hafen.

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Nur die Versorgungsboote Richtung Norden werden beladen.

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Da die Stadt recht übersichtlich ist lässt sie sich gut per Fuß erkunden.
Zu beachten ist dabei nur, das die Außenbezirke der Stadt keine befestigen Straßen haben und es somit nach heftigen Regen schon recht schlammig werden kann.

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Ansonsten gibt es in der Innenstadt so einiges zu bestauen.

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Eigentlich wollte ich mit dem Boot zurück nach Asuncion aber wie man mir mitteilte war das einmal und wurde eingestellt. Also musste ich mit den Bus zurück.

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So ging es mit dem Bus zurück nach Asuncion um von dort weiter nach Villarrica.

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Der nahegelegende Ybytyruzu Nationalpark ist bei den Einheimischen sehr beliebt.
Hier befindet sich auch Paraguays höchste Erhebung, der Cerro Tres Kandú mit überschaubaren 842 Metern.
Es gibt sogar eine Touristeninformation, einzig die Touristen fehlen.

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In Villarrica finden sich leider auch keine Hostels, nur Hotels bis jetzt. Tourismus ist auch hier noch im Aufbau.
Nun war ich an einem Sonntag dort und die Straßen waren leer gefegt.

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Von Villarica ging es weiter nach Encarnacion.

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Diese Stadt gilt als schönste Stadt Paraguays und Karnevals Hochburg.
Ja, Paraguays hat auch einen Karneval aber er ist wohl nicht zu vergleiche mit dem in Rio.

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Den Karneval habe ich leider verpasst aber ein Auge auf ein paar Wagen konnte ich dennoch werfen. Thema anscheinend dieses Jahr, Game of Thrones.

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Und es gibt hier so was wie einen Strand. Natürlich, wie alles in Paraguay, alles etwas kleiner. Die Playa San Jose.

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Hier tummelt sich die ganze Stadt und kühlt sich bei den Temperaturen ab.

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Die neu fertig gestellte Promenade lädt zum verweilen und schlendern ein, aber anscheinend bin nur ich der Einladung gefolgt.

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Mit einer Brücke ist Encarnacion mit Posadas in Argentinien verbunden.

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Der Plaza de Armas ist das kleine Zentrum der Stadt.

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Hier lassen sich die Einwohner gerne zum Terere trinken nieder um der Hitze zu entkommen.

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Frühes kommen sichert einen der begehrten Sitzplätze auf den Bänken.

 

Die Stadt lädt zum bummeln ein und es gibt da noch so das eine oder andere zu entdecken.

 

Von Encarnacion kann ich nur eins sagen.

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Von Encarnacion sollte es dann nach Cuidad del Este gehen, wo ich aber nur kurz verweilte.
Ich wollte zu den berühmten Wasserfällen, über die ihr dann im nächsten Eintrag mehr erfahren könnt.
Ciudad del Este hat auch sonst nicht viel zu bieten. Die meisten nutzen es wirklich nur um nach Brasilien oder Argentinien rüber zu setzen.
Damit ist meine kleine Rundreise durch Paraguay auch schon vorbei gewesen.
Sicherlich bietet Paraguay nicht so viel wie zum Beispiel Brasilien, Chile oder Peru, aber wenn ihr schon mal in Südamerika seit und etwas Zeit übrig habt, warum nicht mal Paraguay entdecken und sich ein eigenes Bild von Paraguay machen.
Den es sind ja die Menschen, die ein Land prägen und es zu etwas besonderem machen.

 

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